Ein Blick hinter die Kulissen

Warum es wichtig ist, die Motivation für Transformation in Niedersachsen voranzutreiben und Wie dazu die Qualifizierungsmaßnahme entstanden ist.

Künstliche Intelligenzen, digitalisierte Produktionstechnologien sowie automatisierte Logistik- und Mobilitätskonzepte sind nur einige Beispiele für Entwicklungen, die noch vor einigen Jahren nach entfernter Zukunft klangen: Heute wissen und erleben wir, dass diese tagtäglich immer mehr Einzug in die Arbeitswelten vieler Menschen nehmen. Doch nicht nur die Digitalisierung bietet neue Herausforderungen für Unternehmen. Das Spannungsfeld zwischen der Umsetzung von Umwelt- und Klimaschutzmaßnahmen einerseits und der Teilhabe am wachsenden globalen Markt andererseits ist zu einer schwierig zu bewältigender Aufgabe geworden. In der Weltrangliste der allgemeinen Wettbewerbsfähigkeit verschiedener Nationen belegte Deutschland im Jahr 2020 von 63 Ländern lediglich Platz 14 in der Kategorie “wirtschaftliche Transformationsbereitschaft” (Weltwirtschaftsforum, 2020).  Das zeigt, dass gerade Deutschland in den nächsten Jahren einen Aufschwung in Sachen Innovation und Digitalisierung erleben muss, um mit den verbleibenden großen Industrienationen mithalten zu können. Deshalb stehen besonders jetzt nicht nur große Konzerne, sondern auch kleine und mittelständische deutsche Unternehmen (KMU) unter einem stetig wachsendem Wettbewerbsdruck. Um die eigene Wettbewerbsfähigkeit zu sichern, sind sie darauf angewiesen innerhalb kürzester Zeit neue, innovative Geschäftsfelder aufzubauen und die Digitalkompetenz der Mitarbeitenden zu fördern.

Aufgrund des hohen Stellenwerts der Digitalisierung hat Wirtschaftsminister Dr. Bernd Althusmann nun eine Videobotschaft für die Teilnehmenden erstellt. Darin begrüßt der Minister, dass Beschäftigte selbst in die Lage versetzt werden, die Veränderung mitzugestalten, digitale Veränderungsprozesse aktiv zu begleiten und Kompetenzen für die Arbeitswelt der Zukunft zu entwickeln. 


Wie steht es speziell um den Standort Niedersachsen?

Das verbleibende Zeitfenster, um diesem starken Innovations- und Wettbewerbsdruck zu begegnen, schätzen Experten laut einer Umfrage des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB, 2016) auf 10 bis 20 Jahre ein.

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Das ist insbesondere für Niedersachen von Bedeutung. Hier ist die für Deutschland so wichtige Automobilindustrie ansässig, welche eine Vielzahl von kleinen und mittelständischen Unternehmen als Zulieferer umfasst. Gemäß des Mittelstandsberichts des niedersächsischen Ministeriums für Wirtschaft, Arbeit, Verkehr und Digitalisierung (2019) sind rund 70% der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten in KMU angestellt, welche 99,4% der niedersächsischen Unternehmen ausmachen. Der Anteil an KMU in Niedersachsen, welche seit Anfang der 2000er Jahre eine Innovation auf den Markt gebracht haben, sinkt jedoch stetig. In den nächsten Jahren ist der Mut zur Veränderung für niedersächsische Unternehmen wichtiger denn je.


Welche Auswirkungen ergeben sich daraus für die Beschäftigungsverhältnisse?

Bei vielen Arbeitnehmer*innen besteht die Befürchtung, ihre Tätigkeiten könnten durch Maschinen oder Roboter ersetzt werden

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– diese Entwicklung ist aber gemäß der Bundesagentur für Arbeit (2015) in den seltensten Fällen wirklich zu erwarten. Eine Untersuchung des IAB (2016) zeigt, dass nahezu alle Berufe Tätigkeiten enthalten, die aktuell nicht durch Computer ersetzt werden können. Experten des Weltwirtschaftsforums (2018) schätzen, dass diese Entwicklung lediglich auf arbeitsspezifischen Fähigkeiten und nicht auf gesamte Berufe zutreffen wird. Eher doch betonen sie, dass die wichtigste Frage für Unternehmen nicht eine solche sei, die nach der Anzahl wegfallender Arbeitsplätze durch Automatisierung fragt. Die wichtigste Frage für Unternehmen fokussiert sich zukünftig auf das Schaffen optimaler Bedingungen für eine gelingende Arbeitsteilung zwischen neuen Technologien und Arbeiter*innen.

   

Die wichtigste Zukunftsfrage für Unternehmen fokussiert auf das Schaffen optimaler Bedingungen für eine gelingende Arbeitsteilung zwischen neuen Technologien und Arbeiter*innen.

 

Dadurch werden sich bestehende Berufe nicht nur stark verändern – es werden sogar neue entstehen. Rund eine halbe Millionen Arbeitsplätze werden durch die digitale Transformation neu geschaffen (IAB, 2016), indem zwischen Sektoren, Branchen, Berufen und Qualifikationen viele “Wechsel” stattfinden werden (WEF, 2020). Diese Brücke zwischen wegfallenden und neu entstehenden Aufgabenfeldern gilt es für Niedersachsen durch fundierte Innovationsstrategien und Qualifizierungskonzepte zu meistern.


Der Strategiedialog Automobilwirtschaft in Niedersachsen: Eine Initiative, um Veränderungsmaßnahmen für Niedersachsen zu erarbeiten und anzustoßen.

Angesichts dieser grundlegenden Veränderungen der Mobilitätsbranche und damit verbunden Herausforderungen entstand im Mai 2019 ein Strategiedialog Niedersachsen, welcher vom Land Niedersachsen, NiedersachsenMetall und der IG Metall Niedersachsen/Sachsen-Anhalt in Begleitung der Volkswagen Group und Continental initiiert wurde. Dieser soll dazu dienen die Stärke des Automobilstandorts Niedersachsen zu erhalten und auszubauen, um so eine Fachkräftesicherung zu gewährleisten und neue Beschäftigungsverhältnisse aufzubauen. Dazu sollen ebenfalls bereits laufende Transformationsprozesse mitgestaltet und das Innovationspotenzial niedersächsischer Unternehmen genutzt werden. Insgesamt arbeiten in drei Innovatorenrunden Akteure aus ganz Niedersachsen eng zusammen, um die dringenden strategischen Maßnahmen zu neuen Wertschöpfungsprozessen, Mobilitätskonzepten und Qualifizierungsmaßnahmen zu entwickeln und in die Umsetzung zu bringen.

Eine Maßnahme aus dem Strategiedialog: VeränderungsMacher – eine Qualifizierungsmaßnahme zum/zur MultiplikatorIn für die Transformation

Die Entwicklung einer groben Idee zum Anstoß einer weitreichenden Veränderung gelingt im Projekt VeränderungsMacher.

   

Die Qualifizierungsmaßnahme bietet eine Antwort auf eine Befragung des Weltwirtschaftsforums (2020), die hervorbrachte, dass Innovation, Problemlösefähigkeiten, aktive Lernstrategien und Initiative weltweit von Unternehmen als einige der wichtigsten Fähigkeiten zum Unternehmensaufstieg bis 2025 angesehen werden.

   

Das Curriculum dieser sechsmonatigen Qualifizierungsmaßnahme basiert auf einer Vielzahl an wissenschaftlich-fundierten Konzepten, die u.a. eine zielgerichtete Einführung in die Umsetzung von Veränderungsmaßnahmen, Wissen zu Veränderungs- und Digitalkompetenz sowie Stärkung der eigenen Veränderungsmotivation anstoßen und so ein „Growth-Mindset“ für die Transformation aufbauen.

Der Clou: Betriebliche Veränderungsprojekte dienen außerdem als Transfer-Grundlage der Qualifizierung, die Personal- und Organisationsentwicklung verknüpfen. Jedes Unternehmen bringt über zwei Teilnehmende ein solches Transfer-Projekt mit in die Qualifizierungsmaßnahme ein. Durch das Transfer-Projekt gelingt es, den vermittelten Strategien und Instrumenten im Rahmen der Qualifizierung noch während der Projektlaufzeit Einzug in das Unternehmen zu geben.  Das dazugewonnene Wissen zur Veränderungs- und Digitalkompetenz kann somit direkt in bisherige Geschäftsmodelle integriert und zur erfolgreichen Umsetzung neuer Vorhaben eingesetzt werden.

Somit wird mit dem VeränderungsMacher ein erster Schritt in Richtung Unternehmensentwicklung gegangen, der auch nachhaltig wirkt und aus der Personal- auch eine Organisationsentwicklung macht.

Das Projekt wird in Kooperation von der 4A-SIDE GmbH und der Demografieagentur für die Wirtschaft GmbH seit Juli 2020 als Pilotprojekt durchgeführt. Wissenschaftlich wird das Projekt von Simone Kauffeld, Professorin für Arbeits-, Organisations- und Sozialpsychologie an der Technischen Universität Braunschweig, begleitet.

Für den fundierten Einblick in die Zukunft von Mobilitätsformen und Produktionstechnicken sind als weitere Partner das Niedersächsiche Forschungszentrum Fahrzeugtechnik (NFF) und Institut für Werkzeugmaschinen und Fertigungstechnik (IWF) der Technischen Universität Braunschweig in einem Modul vertreten.

   

Die Ziele der Qualifizierungsmaßnahme auf einen Blick

• Ineinandergreifende Maßnahmen der Personal- und Organisationsentwicklung
• Weitreichende Sensibilisierung für Innovationsthemen durch Verknüpfung von Wissenschaft und Wirtschaft
• Qualifizierung im Bereich Veränderungs- und Digitalkompetenz
• Förderung von Motivation für Veränderungsprozesse und digitale Transformation im Unternehmen
• Einbindung der direkten Mitarbeitenden und Befähigung zu organisationsinternen Multiplikator/innen

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Quellen:
Bauer, Anja; Fuchs, Johann; Gartner, Hermann; Hummel, Markus; Hutter, Christian; Wanger, Susanne; Weber, Enzo; Zika, Gerd. (2021). IAB-Prognose: Arbeitsmarkt auf dem Weg aus der Krise. IAB-Kurzbericht, 06/2020. Nürnberg, 12 S.
Bundesagentur für Arbeit. (2015). Weißbuch: Arbeiten 4.0 – Antworten der BA auf die Herausforderungen der Digitalisierung. Nürnberg.
Fachkräftebündnis SüdOstNiedersachsen. Regionale Fachkräftestrategie SüdOstNiedersachsen. Fortschreibung 2018-2021.
Leopold, Till; Ratcheva, Vesselina; Zahidi, Saadia. (2018). The Future of Jobs Report. Centre for the New Economy and Society. World Economic Forum.
Niedersächsisches Ministerium für Wirtschaft, Arbeit, Verkehr und Digitalisierung. (2019). Handlungskonzept Mittelstand und Handwerk. Hannover.
Schwab, Klaus; Zahidi, Saadia. (2020). The Global Competitiveness Report. World Economic Forum.
Wrobel, Martin; Buch, Tanja; Dengler, Katharina. (2016). Digitalisierung der Arbeitswelt: Folgen für den Arbeitsmarkt in Niedersachsen und in Bremen. IAB-Regional.
IAB Niedersachsen-Bremen. (2016). Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB). Nürnberg.
World Economic Forum. (2018). The Future of Jobs Report. Centre for the New Economy and Society.
Zahidi, Saadia; Ratcheva, Vesselina; Hingel, Guillaume; Brown, Sophie. (2020). The Future of Jobs Report. Centre for the New Economy and Society. World Economic Forum.